Die Vergessenen dieser Welt!

Nachrichten, Analysen und Meinungen zu aktuellen Themen, die anderweitig nicht gezeigt und gemeldet werden

Sendung 257 vom 16.08.2012

(Sendungen 2012)

Guten Tag liebe Zuschauerinnen und Zuschauer! Ich begrüße Sie zu einer weiteren Folge von „Die Vergessenen dieser Welt!. Die heutige Sendung beschäftigt sich wieder mit Kriegerischem:

Nach jüngsten Berichten hat die Türkei nur zwei Kilometer von der türkisch-syrischen Grenze entfernt mit Panzern, gepanzerten Transportfahrzeugen und Raketenbatterien ausgerüstete Truppen aufmarschieren lassen, und ihre in Mardin stationierte 70. Motorisierte Brigade führt mit 25 Kampfpanzern entlang der Grenze ein Manöver durch.

Diese militärische Eskalation begründet die Türkei damit, dass syrischen Kurden, die nach Meinung Ankaras mit der türkischen Kurdischen Arbeiterpartei PKK paktieren, die Kontrolle über die syrischen Städte Efrin, Kobane und Amude in der Nähe der Grenze zur Türkei übernommen haben.

Die weltlich orientierte und linksgerichtete Kurdische Arbeiterpartei / PKK setzt sich seit 1978 für die Autonomie der Kurden in der Türkei ein und wird von der Türkei, den USA, der NATO und der Europäischen Union als Terrororganisation eingestuft.

Die Türkei will in den USA auch hochmoderne Reaper-Drohnen kaufen, welche die im Kampf gegen die PKK eingesetzten israelischen Drohnen vom Typ Heron ersetzen sollen. Das türkische Militär hat die Drohnenangriffe auf irakischem Territorium auch in diesem Jahr fortgesetzt.

Es ist offensichtlich, dass die Türkei kurz davor steht, ihr Vorgehen gegen die Kurden im Irak jetzt auch auf Syrien auszudehnen. Anders als im Irak werden Luftangriffe auf Dörfer in Syrien und das Eindringen von Truppen und Panzern nach Syrien aber nicht folgenlos bleiben. Sie werden auf Gegenwehr stoßen.

Nachdem es durch sogenannte „humanitäre Eingriffe“ und „Storys über den drohenden Einsatz von „Massenvernichtungswaffen“ nicht gelungen ist, Syrien zu einem Krieg gegen die Türkei und damit gegen die NATO zu provozieren, könnte das unter dem Vorwand, kurdische Terroristen in Syrien bekämpfen zu müssen, vielleicht doch noch gelingen.

Unterdessen bereitet sich Israel auf einen nahe bevorstehenden Krieg gegen Iran vor. Die Medien des Landes berichten seit Tagen, dass Premierminister Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Ehud Barak einen militärischen Alleingang noch vor der Präsidentenwahl in den USA Anfang November planen. Diese Idee stößt bei der Mehrheit der Experten auf Kritik. In der meistgelesenen israelischen Tageszeitung Yedioth Ahronoth schrieben zwei ihrer erfahrensten Kommentatoren, Nahum Barnea und Shimon Shiffer, am Freitag: »Kein einziger Regierungsbeamter oder Militäroffizier und nicht einmal der Präsident unterstützt einen israelischen Angriff auf den Iran.«

Dem Blatt zufolge wird damit gerechnet, daß dieser Krieg Israel pro Tag 375 Millionen Dollar kosten wird. Barnea und Shiffer vermuten, daß es Netanjahu vor allem darum geht, US-Präsident Barack Obama in der Endphase des Wahlkampfes in Schwierigkeiten zu bringen und seinem republikanischen Gegner Mitt Romney zum Sieg zu verhelfen.

Indessen häufen sich die praktischen Vorbereitungen auf den Kriegsfall. Am Sonntag begann das sogenannte Heimatfrontkommando mit der Erprobung eines SMS-gestützten Nachrichtensystems. Es soll sowohl dazu dienen, Militärreservisten in kürzester Zeit per Handy einzuberufen, als auch die Bürger mit Informationen, beispielsweise über nahegelegene Schutzräume, zu versorgen. Mehrere hunderttausend Israelis erhalten in diesen Tagen eine Test-SMS vom »mobilen Alarmsystem«. Die Verschickung erfolgt zunächst in einzelnen Regionen und endet am Donnerstag mit einem landesweiten Test.

Bereits am Freitag hatte eine irsaelische Zeitung gemeldet, daß die israelischen Streitkräfte (IDF) sich auf die Möglichkeit eines bewaffneten Konflikts an mehreren Fronten einstellen. Um in einer solchen Situation möglichst wenige Ziele zu bieten, die den potentiellen Gegnern bekannt sind und mit Raketen angegriffen werden könnten, planen die IDF die Verteilung ihrer Munitionsvorräte und anderer Nachschubgüter, darunter auch der Essensrationen, auf eine Vielzahl neuer Standorte im gesamten Land. Privatunternehmen, die über Lagerhallen verfügen, wurden aufgerufen, sich um Aufträge zu bewerben. Sie müssen sich zu strenger Geheimhaltung und »angemessenen Befestigungsmaßnahmen« verpflichten.

Ebenfalls am Freitag versicherte der Gouverneur der Bank of Israel, Stanley Fischer, dass die Wirtschaft auf einen Krieg gegen Iran vorbereitet sei. Er räumte jedoch ein, dass Szenarien, in denen Israel mit mehreren militärischen Konflikten gleichzeitig konfrontiert wäre, »sehr schwer zu bewältigen« wären. Man müsse sich auf eine »wirkliche Krise« gefasst machen. Schon jetzt steht das Land vor großen ökonomischen und sozialen Problemen, die sich auch in Massenprotesten niederschlagen.

Am Sonntag wurde unter Berufung auf Informationen aus dem Büro des Premierministers berichtet, dass Netanjahu dabei sei, sich »beispiellose Machtbefugnisse« zu verschaffen. Die angestrebten Veränderungen könnten, so das Blatt, »dramatische Konsequenzen für einen Militärschlag gegen Iran« haben, »da derzeit die meisten Kabinettsmitglieder gegen ein militärisches Vorgehen sind«. Nach den neuen Regeln könnte der Regierungschef die Durchführung jeder Entscheidung der Ministerrunde endlos verzögern, indem er immer wieder neue Debatten ansetzt, bis seine Gegner einlenken oder zumindest für einen Kompromiß »weichgekocht« sind. Umgekehrt bekäme Netanjahu die Möglichkeit, schnelle Beschlüsse per Telefon zu erzwingen. Die Minister hätten dann künftig nur noch zwölf Stunden statt bisher eine Woche Bedenkzeit.

Unabhängig von allen Spekulationen könnte ein israelischer Militärschlag gegen Iran nur das Ziel verfolgen, die USA so schnell wie möglich in einen Krieg zu verwickeln. Die IDF allein sind zu einer längeren Konfrontation mit dem weit entfernten Iran – die Distanz zwischen Tel Aviv und Teheran beträgt 1589 Kilometer Luftlinie – nicht imstande.

Guten Tag

Quelle:
Tageszeitung Junge Welt
Luftpost Archiv