Die Vergessenen dieser Welt!

Nachrichten, Analysen und Meinungen zu aktuellen Themen, die anderweitig nicht gezeigt und gemeldet werden

Sendung 143 vom 29.10.2009

(Sendungen 2009)

Guten Tag liebe Zuschauerinnen und Zuschauer! Ich begrüße Sie zu Folge 143 von „Die Vergessenen dieser Welt. In der heutigen Sendung beschäftige ich mich wieder einmal mit der aktuellen Situation im Iran.

Die iranische Regierung hat Vergeltung angekündigt für den verheerenden Bombenanschlag am 18. Oktober im Südosten des Landes. Das Blutbad ist von der aus Pakistan heraus operierenden Gruppe Dschundallah (Krieger Gottes) verübt worden. Die westlichen Mainstream-Medien sind derweil krampfhaft bemüht, keinen Verdacht gegen die Hintermänner der Terroristen aufkommen zu lassen. Das britische Fernsehen zum Beispiel zeichnet Dschundallah recht sympathisch als eine Art iranische PKK, die wie die Kurden für die nationale Unabhängigkeit der in Pakistan und Iran lebenden Balutschen kämpft. Laut BBC geht es Dschundallah-Anführer Abdolmalek Rigi nur darum, von Teheran die Einhaltung der Menschenrechte einzufordern. Derweil schüttelt man bei der ARD verständnislos den Kopf über die antiwestliche Paranoia der iranischen Führung. O-Ton »Tagesschau«: »Das Regime in Teheran ist entrüstet. Obwohl sich die Terrorgruppe Dschundallah zu dem Terroranschlag bekannt hat, vermutet die iranische Regierung die USA und Großbritannien als Finanziers und Drahtzieher. Deren Ziel sei es, Iran zu destabilisieren.« Offensichtlich können nur Iraner so verrückt sein, derartiges zu glauben.

Aber halt. Was ist mit der 2007 von US-Präsident George W. Bush unterzeichneten Direktive an die CIA, mit allen Mitteln militante Minderheiten im Iran zu unterstützen, um die Regierung zu destabilisieren? Was ist mit den Berichten von US-Medien über direkte und indirekte Unterstützung der Dschundallah durch US-Geheimdienste? Für alle, die der Bevölkerung das Bild von Amerika als friedliebender Musterdemokratie verkaufen müssen, sind solche Berichte frei erfunden. Niemals würde Washington Terrorgruppen unterstützen, um andere Regierungen zu stürzen. Auch Bushs Iran-Direktive an die CIA kann nie existiert haben. Wäre es anders, Friedensnobelpreisträger Barack Obama hätte sie längst kassiert. Wenn die Iraner trotzdem den USA die Schuld für den Anschlag geben, sind sie uneinsichtig – Dschundallah-Chef und Menschenrechtler Rigi hat gegenüber BBC schließlich »jegliche Verbindungen zu ausländischen Organisationen« verneint.

Auch Das Erste belehrt seine Zuschauer, dass »kritische Journalisten die Situation anders einschätzen«, als dies in Teheran der Fall ist. Dazu darf der iranische Regimegegner Mashallah Shamsol erklären, dass normalerweise »unterschiedliche Religionsgruppen« hinter solchen Anschlägen stecken. Abschließend die ARD-Rätselfrage: »Offen bleibt, woher die Terrororganisation die Waffen hat. Experten bestätigen, dass die Dschundallah in den vergangenen Jahren überraschend aufgerüstet hat und dadurch erst zu Anschlägen wie heute fähig ist.« Wahrscheinlich sind die Waffen für die Krieger Gottes vom Himmel gekommen. An Fallschirmen ohne Markierungen. Und wahrscheinlich sind die von Schwarzmärkten stammenden Waffen und Sprengstoffe in allen möglichen Ländern hergestellt, nur »Made in USA« ist nicht dabei. Doch genau das ist die Handschrift der CIA.

Im Streit um das Atomprogramm des Iran zeichnet sich eine Annäherung ab. Nach Gesprächen am Sitz der Internationalen Atomenergie-Behörde (IAEA) in Wien legte deren Generalsekretär ElBaradei einen Entwurf vor, der die zwischen den Delegationen Irans, Russlands, Frankreichs und der USA erreichte Übereinstimmung fixieren soll. Die Vereinbarung bedarf jedoch noch der Zustimmung durch die vier Regierungen. Den bisherigen Veröffentlichungen zufolge ist vorgesehen, daß Iran einen erheblichen Teil – 75 oder sogar 80 Prozent – seiner Vorräte an schwach angereichertem Uran nach Rußland bringen läßt. Dort soll das Uran, das jetzt einen Grad von ungefähr 3,5 Prozent hat, auf 19,75 Prozent angereichert werden.

Sollten die beteiligten Regierungen einer Einigung auf dieser Grundlage zustimmen, wäre zunächst ein großer Teil der schwach angereicherten Uranbestände des Iran aus dem Spiel. Damit entfiele für einen Zeitraum von ungefähr anderthalb Jahren die –sachlich ohnehin nicht angebrachte – Angstmache, dass Iran seine Vorräte weiter anreichern könnte, um waffenfähiges, mindestens 90prozentiges Uran zu erhalten. Es handelt sich dabei allerdings ohnehin nur um eine Propagandafiktion, da alle iranischen Vorräte unter Kontrolle der IAEA sind. Zudem besitzt Iran nach vorherrschender Ansicht nicht die technischen Voraussetzungen zur Hochanreicherung und lehnt die Produktion von Atomwaffen sowohl aus ethischen und religiösen wie auch aus verteidigungspolitischen Gründen ab.

Eine Einigung in dieser Sache wäre ein Rückschlag für die Kriegstreiber in den USA und in Europa. Der angepeilte Krieg zur Eroberung neuer Erdölvorkommen wäre damit in weite Ferne gerückt und man müsste einen neuen Grund konstruieren.

In der nächsten Woche sehen Sie den 2. Teil über die Situation im Iran.

Guten Tag